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14-10-2005 Kämpfe in Naltschik
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Geiselnahme in Kaukasus-Stadt Naltschik beendet |
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Russische Sondereinsatzkräfte haben am
Freitagmorgen die Geiselnahme in der Kaukasus-Stadt Naltschik gewaltsam
beendet und mindestens fünf Geiseln befreit. Bei dem Sturm auf das besetzte
Polizeirevier seien acht Kidnapper getötet worden, sagte der stellvertretende
russische
Generalstaatsanwalt Wladimir Kolesnikow der Agentur Interfax. Bei
der Erstürmung eines Souvenirladens wurden zwei Rebellen getötet, die sich
dort verschanzt hielten, wie die Agentur RIA-Nowosti meldete. Die genaue Zahl
der bei den Gefechten von Rebellen und Sicherheitskräften getöteten Menschen
war weiter unklar.
Bei dem Sturm auf die Polizeistation setzten die Einsatzkräfte laut einem
AFP-Reporter Granaten und automatische Feuerwaffen ein. Die Rebellen seien bei
dem Versuch getötet worden, in einem Kleinlaster zu fliehen, meldete ITAR-TASS
unter Berufung auf die örtliche Polizei. Die Kidnapper hatten sich seit
Donnerstag mit fünf Polizisten als Geiseln in der Polizeistation verschanzt
gehalten. Die Belagerung sei aufgehoben und die Rebellen "eliminiert" worden,
sagte Kolesnikow nach Abschluss der beiden Einsätze.
Nach Angaben des
russischen Innenministers wurden rund 1500 Soldaten und 500 Angehörige von
Spezialkräften nach Naltschik entsandt. Der Fernsehsender NTV zeigte Bilder
der befreiten Geiseln.
Die Sicherheitskräfte hatten zuvor die beiden Gebäude umstellt, wie die
Nachrichtenagentur Itar-Tass unter Berufung auf den russischen Innenminister
Raschid Nurgaliew berichtete. "Wir haben ihnen Zeit gegeben, ihre Waffen
abzugeben, aber es ist klar, dass wir nicht ewig warten werden", sagte
Nurgaliew demnach vor dem Einsatz. Mehr als 150 bewaffnete Kämpfer hatten am
Donnerstag Gebäude von Polizei, Regierung, Geheimdienst und ein Waffengeschäft
in der Stadt angegriffen. Ein Angriff auf den Flughafen wurde den Angaben
zufolge abgewehrt. Nach den Attacken wurde die gesamte Stadt abgeriegelt,
Russlands Präsident Wladimir Putin erteilte den Schießbefehl.
Zur Zahl der Toten kursierten unterschiedliche Angaben. Nach vorläufigen
Informationen von RIA-Nowosti wurden bis Freitagmorgen 24 Sicherheitskräfte
getötet und 58 weitere verletzt. Laut dem Innenministerium von
Kabardino-Balkarien wurden bei den Gefechten mindestens 61 Rebellen getötet.
Der Präsident der Kaukasusrepublik sprach von von 50 getöteten Rebellen, zudem
seien zwölf Zivilisten ums Leben gekommen. Bis zu 150 Menschen wurden nach
Krankenhausangaben verletzt. Zu den Angriffen hatten sich tschetschenische
Rebellen im Internet bekannt.
Die Ereignisse in Naltschik lösten international Bestürzung, aber auch
Kritik aus. Der Generalsekretär des Europarates, Terry Davis, drückte der
Russischen Föderation seine Solidarität aus und sagte die Unterstützung des
Europarats bei der "Bekämpfung des Terrorismus" zu. Menschenrechtler in Moskau
kritisierten hingegen die Regierung Putin: Die tragischen Ereignisse in
Naltschik hätten gezeigt, dass Behauptungen des Präsidenten über eine
angeblich erfolgreiche Bekämpfung der Rebellen in der Region "Lügen" seien.
Der Duma-Abgeordnete Andrej Saweljew sagte der Tageszeitung "Junge Welt"
(Freitagsausgabe), die Regierung Putin begehe im Nordkaukasus "keine Fehler,
sondern Verbrechen - Verbrechen gegenüber der Zivilbevölkerung".
Die Angriffe sind die jüngsten einer Serie von Bluttaten in den russischen
Kaukasusrepubliken, die in der Nähe von Tschetschenien liegen. Bei einem
ähnlichen koordinierten Angriff waren im Juni 2004 in Inguschetien 88 Menschen
ums Leben gekommen. In Nordossetien nahm ein 32-köpfiges Kommando im September
2004 in einer Grundschule in Beslan Geiseln. Bei der blutigen Beendigung des
Dramas starben 331 Menschen.
Russland führte zwei Kriege gegen Tschetschenien. Die Regierung in Moskau
hat den Konflikt für beendet erklärt und spricht von einer Stabilisierung der
Lage. Die Rebellen wollen nach eigenen Angaben ihre Angriffe fortsetzen, bis
die russischen Truppen aus Tschetschenien abgezogen sind.
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