Europas bestes Frostschutzmittel - Bau von Gasleistung Nord Stream offiziell gestartet
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Die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream lässt Russland und die EU nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Dmitri Medwedew enger zusammenwachsen. Mit dem Projekt wollten beide Seiten "eine weitere starke Verbindung schmieden", sagte Merkel zum offiziellen Baubeginn am Freitag.
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Die Pipeline werde zur Energiesicherheit Europas beitragen, erklärte Dmitri Medwedew bei einem Festakt in Russland.
Von der Pipeline auf dem Boden der Ostsee werde Russland ebenso profitieren wie Europa, sagte Merkel in einer Videobotschaft. Während das Projekt für die europäischen Staaten ein wichtiger Beitrag zur Gasversorgungssicherheit sei, gewinne Russland "mit verlässlichen Abnehmern in Europa eine hohe Stabilität in der Gasnachfrage". Die rund 1220 Kilometer lange Nord-Stream-Pipeline soll ab Ende 2011 Erdgas vom russischen Wyborg bis nach Lubmin an der deutschen Ostseeküste befördern und die Versorgungssicherheit Europas verbessern.
Medwedew: Nachfrage nach Gas wird in Europa auch weiter wachsen
Angesichts steigender Nachfrage nach Erdgas werde Europa durch die neue Versorgungsleitung Energiesicherheit zu "angemessenen und zumutbaren Preisen"
erlangen, sagte Russlands Staatschef Medwedew bei dem Festakt zum offiziellen Baubeginn in der russischen Ostseebucht von Portowaja nahe Wyborg.
Die Nachfrage nach Gas wird in Europa auch weiter wachsen, und die Gaspipeline "Nord Stream" wird es ermöglichen, die Lieferungen des "blauen Brennstoffes" in die EU- Länder wesentlich zu vergrößern. "Obwohl nach alternativen Energiequellen aktiv gesucht wird, wird die Gasnachfrage in Europa weiter steigen, und wir alle sind davon überzeugt", erklärte Medwedew.
Ferner erinnerte der Präsident daran, dass Russland derzeit ca. 140 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich nach Europa liefert. "Nord Stream"
werde es ermöglichen, nach Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Tschechien, Belgien und in die Niederlanden zusätzlich rund 55 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich zu transportieren, so Medwedew.
"Nord Stream" bezeichnete der Präsident als Beispiel für eine durchaus effektive multilaterale Zusammenarbeit im Energiesektor. "Die Gaspipeline eröffnet neue Möglichkeiten für die Entwicklung der transnationalen Energieinfrastruktur, für eine gemeinsame Erschließung von Gasvorkommen, was neue Produktionskapazitäten und hauptsächlich neue Arbeitsplätze sowohl in der Russischen Föderation, als auch in den Ländern der EU und Europas bedeutet", meint der russische Staatschef,
"Unser Land arbeitet seit gut 40 Jahren mit unseren europäischen Nachbarländern in der Erdgasbranche zusammen, und diese Kooperation ist über lange Zeit erprobt. Ich bin überzeugt, dass sie allen Seiten sehr gute Ergebnisse bringt. Derzeit deckt sie mehr als ein Viertel des gesamten Gasbedarfs der EU", betonte er.
"Wie wir wissen, wird die Erdgasleitung auf dem Grund der Ostsee durch die Wirtschaftsräume von fünf Staaten (Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland) verlaufen und, was vielleicht das Wichtigste ist, erstmals direkte Erdgaslieferungen von Russland nach Westeuropa ohne Transit ermöglichen", hob das russische Staatsoberhaupt hervor.
Die EU bezieht etwa ein Viertel ihres Gasbedarfs aus Russland, mit der neuen Pipeline werden bisherige Transitländer wie die Ukraine und Weißrussland umgangen. Die Ukraine und der russische Energiekonzern Gazprom hatten in der Vergangenheit wiederholt um die Lieferung russischen Gases gestritten, was auch zu Lieferstörungen beim Transport nach Westeuropa führte. Gespeist werden soll die neue Pipeline von westsibirischen Erdgasfeldern.
Die ersten drei Kilometer der Pipeline wurden nach Angaben von Nord Stream bereits von einem Spezialschiff nahe der schwedischen Insel Gotland verlegt.
Schröder ist sicher, dass Russland und die EU ihre energiewirtschaftliche Zusammenarbeit vertiefen werden
Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der dem Aktionärsausschuss des Betreiberkonsortiums Nord Stream vorsitzt, sagte am Freitag bei dem Festakt in Russland, die Auswirkungen des Piplinebaus auf die Umwelt sollten "minimal"
gehalten werden. Umweltschützer hatten vor dem Riesenprojekt unter der Ostsee gewarnt.
Schröder, ist sicher, dass Russland und die EU ihre Zusammenarbeit im Bereich der Energiewirtschaft vertiefen werden. Schröder verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Pipeline strategische Bedeutung für die Beziehungen zwischen Russland und der EU haben wird.
Nord-Stream-Sprecher Steffen Ebert fügte im MDR hinzu, es seien rund 100 Millionen Euro ausgegeben worden, um die "optimale Routenführung zu finden" und die Pipeline "so umweltverträglich wie möglich"
zu verlegen, da die Ostsee "ein sehr sensibles Ökosystem ist".
Europas bestes Frostschutzmittel
Dr. Rainer Seele, Wintershall-Vorstandsvorsitzender, erklärte zum Baubeginn: „Wir schreiben Geschichte – hier und heute: Gemeinsam feiern wir den Baubeginn eines der größten europäischen Energieprojekte. Die Nord Stream wird Erdgas aus Russland direkt nach Deutschland und Westeuropa bringen.
Das gab es noch nie! Zum ersten Mal werden die reichhaltigen sibirischen Erdgasfelder Ende 2011 direkt mit den Märkten und vor allem mit den Menschen in Westeuropa verbunden sein – und nicht wie bisher über Drittländer als Transitstaaten.
Die Nord-Stream-Pipeline bedeutet sichere und klimafreundliche Energie für über 25 Millionen europäische Haushalte.
Doch die Nord Stream ist noch viel mehr: Sie ist „Europas bestes Frostschutzmittel“ – bei Transitstreits und politischen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kann diese Pipeline die Lage nachhaltig stabilisieren.
Fakt ist: Die Nord Stream wird die Energieversorgung sicherer machen. Sie ist ein entscheidender Fortschritt für die europäische Energiepolitik. Sie ist zugleich ein privatwirtschaftlich finanziertes Konjunkturprogramm. Und sie läutet als riesiges länderübergreifendes Infrastrukturprojekt eine neue Phase der in vielen Jahrzehnten gewachsenen europäisch-russischen Partnerschaft ein.
Die Pipeline besteht aus zwei Strängen. Der erste soll bis Ende 2011 fertiggestellt sein, der zweite 2012. Beide Leitungen können zusammen bis zu
55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr transportieren. Das entspricht laut Nord Stream etwa elf Prozent des prognostizierten Erdgas-Verbrauchs der EU im Jahr 2030. Beteiligt an dem internationalen Bau- und Betreiberkonsortium Nord Stream sind neben Gazprom auch der deutsche Energiekonzern Eon Ruhrgas, die BASF-Tochter Wintershall sowie die niederländische Gasunie.
Mehr als 200.000 Stahlröhren sollen die Ostsee-Pipeline bilden
VERLAUF: Die Pipeline führt von der russischen Küstenstadt Wyborg nordwestlich von St. Petersburg über etwa 1220 Kilometer bis nach Lubmin bei Greifswald an der deutschen Ostseeküste. Die in einer Wassertiefe von bis zu 210 Metern auf dem Meeresboden verlegte Rohrleitung durchquert dabei die Wirtschaftszonen von fünf Ostsee-Anrainerstaaten: Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland. Gespeist werden soll sie laut Nord Stream von westsibirischen Erdgasfeldern. Vom Übergabepunkt in Lubmin strömt das Gas in die westeuropäischen Netze und wird bis nach Dänemark, Großbritannien und Frankreich weiterverteilt.
BETREIBER: Gebaut und betrieben wird die Pipeline von dem 2005 gegründeten Unternehmen North European Gas Pipeline, das im Jahr darauf in Nord Stream AG umbenannt wurde. Es gehört zu 51 Prozent dem russischen Gasriesen Gazprom sowie zu je 20 Prozent dem deutschen Energiekonzern Eon Ruhrgas und der deutschen BASF-Tochter Wintershall. Neun Prozent hält der niederländische Pipeline-Betreiber Gasunie. Anfang März wurde bekannt, dass sich auch der französische Gaskonzern GDF Suez in das Konsortium einkaufen und dazu offenbar Anteile von Eon Ruhrgas und Wintershall übernehmen will. Den Vorsitz im Aktionärsausschuss von Nord Stream hat Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).
KAPAZITÄT:
Die Pipeline besteht aus zwei Röhrensträngen. Der erste soll bis Ende 2011 fertiggestellt sein, der zweite 2012. Jede Leitung besteht aus mehr als 100.000 betonummantelten Stahlrohren von je zwölf Metern Länge. Die Rohre mit einem Innendurchmesser von etwa 1,1 Metern werden von mehreren Spezialschiffen auf dem Meeresboden verlegt. Beide Leitungen können zusammen bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr transportieren. Das entspricht laut Nord Stream etwa elf Prozent des prognostizierten Erdgas-Verbrauchs der EU im Jahr 2030. Die Menge würde demnach ausreichen, um 26 Millionen europäische Haushalte zu versorgen.
[ russland.RU ]
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