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18-12-2008 Verschiedenes
Raduga Stiftung braucht Hilfe
Nicht nur Medwedews neue Sozialpolitik [ Medwedews Sozialpolitik: Vor einer 2. Phase der Privatisierung ] steht vor der Tür, auch Weihnachten kommt mit schnellen Schritten.

Für die [ Raduga Stiftung ] ist die Winterzeit immer eine Zeit erhöhter Anfragen nach Hilfe. Dieses Jahr kommt für die [ Raduga Stiftung ] es gleich doppelt schwer. Neue Sozialpolitik, die Kai Ehlers in seiner Analyse [ Medwedews Sozialpolitik: Vor einer 2. Phase der Privatisierung ] bereits skizzierte trifft auf Winterprobleme.


Wir möchten hier den erschütternden Monatsbericht November der [ Raduga Stiftung ] als Beispiel für die Arbeit der Stiftung den Lesern zum Nachdenken in der Adventszeit nicht vorenthalten.
Vielleicht sind trotz Finanzkrise und Weihnachtseinkäufe noch einige Euros über um der Stiftung zu helfen.

Sie können sich gerne an die Redaktion von russland.RU wenden redaktion@russland.ru oder direkt an die [ Raduga Stiftung ]

Monatsbericht November 2008

Der Monat November besitzt für RADUGA zwei Schwerpunkte. Einerseits laufen in verschiedenen Projekten die Vorbereitungen für das bevorstehende Neujahrsfest, andererseits kommen erfahrungsgemäß in dieser Zeit vermehrt Anfragen von Bedürftigen. Sicher ist der Wintereinbruch mit maßgebend dafür, dass die Menschen angesichts der bevorstehenden schwierigeren Zeit Hilfe suchen.

So war es auch am 23. November, als ich einen Anruf von einer Bekannten bekam, dich mich bat, doch bitte mal abzuklären, in welcher Form RADUGA ihrer Freundin helfen könne.

Nachdem ich mich telefonisch bei dieser Frau angemeldet hatte, fuhr ich zwei Tage später in das Wohnblockviertel von Tarussa, genauer gesagt in die Korolew-Strasse 6. Im vierten Stock, bei der Wohnungstür mit der Nummer 2, klingelte ich.

Als die Tür sich öffnete, stand eine Frau um die Vierzig vor mir, die sich als Valentina vorstellte. Aus dem Nachbarzimmer hörte ich Schritte, die sich näherten, worauf ein Junge hervortrat, den ich so grob auf 16 Jahre schätzte. Ihrer Einladung folgend begleitete ich die beiden in die Küche, wo ich an den sorgfältig bereitgestellten Tassen erkannte, dass sie bereits auf mich gewartet hatten. Während die Frau anfing, den heissen Tee in eine der Tassen zu giessen, begann sie mit ihrer Erzählung.

Vor drei Jahren habe sie ihren Mann beerdigt, der an einem Herzinfarkt gestorben war. Der Junge, den sie mir als Alexander vorstellte, war damals zwölf Jahre alt. Und genau um ihn geht es eigentlich. Seine Krankengeschichte liest sich wie ein Lexikon aller möglichen Krankheiten. Angefangen hatte es damit, dass die Geburt alles andere als planmässig verlief, und der Knabe Hirnblutungen hatte. Mit den Mitteln, die im Bezirksspital vorhanden waren, versuchte man so gut wie möglich zu helfen. Da man nach drei Wochen aber bemerkte, dass es dem Kind immer schlechter ging, wurde er ins Gebietsspital übergeführt. Hätte man ihn gleich nach der Geburt dorthin gebracht, wäre vielleicht vieles anderes geworden, ereiferte sich Valentina bei ihrer Erzählung.

Fazit, der Knabe hat einerseits ein deformiertes Becken, und anderseits infolge des zu schnell gewachsenen Kopfes massive Probleme mit dem Kiefer. Unter grösster Anstrengung kann er heute den Mund um 0,5cm öffnen. Für Anfang Januar wäre eine dringend nötige Operation vorgesehen, falls es gelingt, bis dahin die finanziellen Mittel in der Höhe von 850 Euro aufzutreiben.

Was mir Valentina bei all diesen Erzählungen vorenthielt, ich jedoch vorgängig bereits in Erfahrung gebracht hatte, war ihr persönlicher Gesundheitszustand. Als ich sie darauf ansprach, sagte sie mir unter Tränen, dass es illusorisch sei, bei ihrem Lohn, der knapp für Essen und Kleider reiche, an eine Behandlung zu denken.

Bei Valentina wurde vor zwei Jahren Brustkrebs entdeckt und mit Chemotherapie behandelt. Hinzu kamen in der letzten Zeit unerträgliche Schmerzen in der rechten Hand. Die Ärzte erklärten ihr, dass es dafür Kompressionshandschuhe gebe, die das Stück 2000 Rubel (ca. 60 Euro) kosteten, und von denen sie mindestens vier Stück für diese Kur benötigte.

Beim Verlassen der Wohnung benötigte ich erst eine Weile, um das soeben Erlebte zu verarbeiten. Welche Bürde, welche Last muss diese Frau tragen. Da machen wir uns manchmal Probleme, wo gar keine sind, und Menschen wie diese Valentina kämpfen tagtäglich ihren Kampf gegen unlösbare Herausforderungen in ihrem Leben.

RADUGA kann nicht zaubern, Wunder kann ich dieser Frau nicht versprechen. Was ich jedoch machen werde, ist, alle in meiner Macht stehenden Hebel in Bewegung zu setzen, um Valentina und Alexander zu helfen. Neben materieller Hilfe ist es besonders wichtig, dass sie spüren, dass sie nicht mehr alleine sind. Wir hier vor Ort sind lediglich das Bindeglied zwischen Ihnen, lieben Spenderinnen und Spender, und diesen Bedürftigen. Denn ohne Ihr Vertrauen und Ihrer Unterstützung gäbe es RADUGA nicht.

Mit freundlichen Grüssen
Jörg Duss


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