Schwarzer Tag für Russlands Eishockeyteam - 3:7 gegen Kanada
[ Von Harald Gleißner
] Moskau. Nach 50 Jahren hat Russland wieder ein Eishockeyspiel bei einem olympischen Turnier gegen Kanada verloren. Durch diese bittere 3:7 (1:4, 2:3, 0:0) Niederlage ist das Turnier für Russland beendet.
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Wolfgang Steiert gibt seinen Rücktritt als Skisprungtrainer der russischen Nationalmannschaft bekannt. Weitere Medaillen gab es auch nicht für Russland – ein schwarzer Tag.
In der Nacht zum Donnerstag standen bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver die Viertelfinals im Eishockey auf dem Programm. Dabei war das vorweggenommene Endspiel, die Begegnung zwischen dem Gastgeber Kanada und dem amtierenden Weltmeister Russland der absolute Höhepunkt und wurde von den Fans sehnlichst erwartet.
Die Titelambitionen des Olympia-Gastgebers erhielten durch die Niederlage gegen das US-Team in der Vorrunde bereits einen herben Rückschlag. Während "Team Canada" erst in den Play-Offs gegen die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft den Einzug in das Viertelfinale des olympischen Turniers perfekt machte, stand Russland als Vorrundenerster bereits im Viertelfinale. Auch wenn sich die Ahornblätter in ihrer letzten Partie gegen Deutschland wieder in alter Stärke präsentierten und einen 8:2-Sieg feiern konnten, war die Mannschaft aus Russland Favorit für diese Begegnung. Dann kam aber alles ganz anders.
Die Torwartposition machte den Unterschied aus
Vor 17.500 Zuschauern im Canada Hockey Place schenkten sich beide Teams keinen Zentimeter auf dem Eis, wobei der Gastgeber aggressiver und zielstrebiger war und so siegte Olympia-Gastgeber Kanada gegen ein defensiv völlig überfordertes russisches Team. Ryan Getzlaf brachte Kanada schon nach 3 Minuten in Führung und brach damit früh den Bann.
Bei den Ahornblättern glänzte vor allem die nominell vierte Reihe, von der Ryan Getzlaf (3.), Dan Boyle (13.), Brenden Morrow (19.) und Corey Perry (24. und 30.) trafen. Die restliche Tore erzielten Rick Nash (13.) und Shea Weber (25.). Für das russische Team, in dem Superstar Alexander Owetschkin untertauchte, trafen Ilja Kalinin (15.), Maxim Afinogenow (25.) und Sergej Gontschar (32.).
Nach dem 1:6 nahm Russlands Coach Wjatscheslaw Bykow seinen total desolaten Torhüter Jewgeni Nabokow für Ilja Brysgalow vom Eis. In der Torwartposition war auch der wesentlichste Unterschied beider Teams zu sehen. Im Gegensatz zu Nabokow war Kanadas Torwart Roberto Luongo überragend. Der Goalie ließ die russischen Angreifer reihenweise verzweifeln.
Im letzten Drittel verwaltete Kanada dann nur noch seinen Vorsprung. Die russischen Spieler vergaben noch beste Möglichkeiten, mit Torwart Roberto Luongo stand einfach der bessere Torwart im kanadischen Tor. Es sollte einfach nicht an diesem Tag zu einem Sieg reichen.
Zum ersten Mal seit ihrer Winter-Olympia-Premiere 1956 verpasste die `Sbornaja“ damit den Sprung unter die besten vier Teams. Im Halbfinale treffen die Kanadier jetzt auf Schweden oder die Slowakei.
Wolfgang Steiert schmeißt das Handtuch in Russland
Der ehemalige deutsche Bundestrainer Wolfgang Steiert gab am Mittwochabend offiziell seinen Rücktritt als Skisprungtrainer der russischen Nationalmannschaft bekannt. "Habe viel nachgedacht. Russland und ich beenden die Zusammenarbeit. Ich sehe keine Perspektive für einen nachhaltigen Erfolg", erklärt Wolfgang Steiert. Damit ist Steierts "Abenteuer", wie er sein Engagement in Russland selbst einmal nannte, endgültig beendet.
Keine Basis für weitere Zusammenarbeit
Auch wenn diese Nachricht überraschend kommt, so hatte sich ein derartiger Schritt von Wolfgang Steiert bereits seit längerer Zeit angekündigt. Aus vielen Gesprächen ließ sich erkennen, dass die bisherige und eher schwierige Zusammenarbeit mit dem Russischen Skiverband für Steiert keine Basis für die Zukunft darstellte.
Steiert kämpfte vergeblich gegen antiquierte Trainingsmethoden. „Für das Skispringen gibt es in Russland kaum Infrastruktur. Die Schanzen sind veraltet, das Material oft nicht wettbewerbsfähig und viele Trainer hingen noch einer antiquierten Schule an - die glauben, viel trainieren hilft viel". „Dabei brauche es längst eine andere Trainingsmethodik. Doch die lässt sich nicht allein in Besprechungen vermitteln. Man muss Erfolge vorweisen können. Wenn wir nur um Platz 30 mitspringen würden, hätten die kein Vertrauen" so sagte Wolfgang Steiert.
Vergebliche Bemühungen - Nachwuchsarbeit funktioniert nicht
Nachdem nun auch mit Dimitri Wassiljew der momentan beste russische Skispringer aufgrund einer komplizierten Verletzung bis auf Weiteres weder an Wettkämpfen noch am Training teilnehmen kann, entschied sich Steiert am Mittwoch zu diesem Schritt: "Alle unsere Bemühungen, eine Struktur im russischen Skisprung aufzubauen, gehen nicht auf. Ohne systematische Nachwuchsarbeit geht nichts voran. Ich hatte eine tolle Zeit in Russland. Mein Dank gilt einer absolut außergewöhnlichen Zusammenarbeit mit den Sponsoren Bionorica, Gazprom und Adidas. Ich kann mit der Entscheidung gut leben. Ich fühle mich von einem großen Druck und einem Gefühl der Ohnmacht befreit."
Für Dimitri Wassiljew will Steiert jedoch auch nach dieser Entscheidung als Ansprechpartner dienen: "Alles was ich für Wassiljew und seine Rückkehr in den Skisprung tun kann, werde ich gerne tun. Ohne ihn wären unsere Erfolge nicht denkbar", so Steiert am Mittwochabend über Twitter. [ Harald Gleißner
/ russland.RU ]