Die Olympischen Winterspiele sind beendet – es leben die XXII. Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi
[ Von Harald Gleißner
] Moskau. Mit einer glanzvollen Präsentation stellte Sotschi sich im Rahmen der Abschlussfeier vor. Trotz dem sportlichen Debakel in Kanada schaut Russland jetzt erwartungsvoll in die Zukunft – nach Sotschi 2014.
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Die Schlussfeier der Olympischen Winterspiele in Vancouver war eine große, bunte, fröhliche und auch ein bisschen verrückte Party, so wie die gesamten Olympischen Spiele waren. Damit hat sich Vancouver am Sonntag von Sportlern und Zuschauern verabschiedet. Rund zwei Wochen lang haben die Sportler in Kanada ihr Bestes gegeben. Genau wie die russischen Sportler, auch wenn es nicht immer danach ausschaute.
Es gab viel Lob von Athleten und vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für die gelungene Ausrichtung der Spiele. Überschattet wurden sie vom Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili, der noch vor Beginn beim Training auf der umstrittenen Eisrinne des Whistler Sliding Centre bei Tempo 150 tödlich verunglückte. Vancouver präsentierte sich einerseits als ein stimmungsvolles Athletenfest mit begeisterungsfähigem Publikum. Andererseits zeigte sich am Beispiel des Rodlers und der vielen Bobstürze die gefährliche Sensationsgier ignoranter Funktionäre.
2000 Dopingkontrollen wurden durchgeführt, überraschenderweise war bisher nicht eine einzige positiv. In den nächsten acht Jahren wird nachgetestet. Die olympischen Fahnder wähnten sich den Dopingbetrügern so dicht auf der Spur wie nie. Experten melden jedoch große Zweifel an.
Das IOC bastelt weiter an der Modernisierung des Programms. 2014 dürfen in Sotschi eine gemischte Biathlonstaffel, die Skispringerinnen und Snowboarder im Slopestyle mit ihrer Premiere rechnen.
Das russische Ergebnis von Vancouver wird Konsequenzen haben
Mit einer Silbermedaille für das deutsche Team und einem tollen Eishockey-Finale endeten die sportlichen Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele in Vancouver. Axel Teichmann krönte eine grandiose Leistung mit der Silbermedaille. Deutschland belegt damit Platz zwei im Medaillenspiegel hinter den Gastgebern. Kanada besiegte die USA im Eishockey-Finale mit 3:2 in der Verlängerung. Für Russland gab es wieder keine Medaille am letzten Wettkampftag.
Die ernüchternde Bilanz für Russland bei den diesjährigen Olympischen Winterspielen lautet: dreimal Gold, fünfmal Silber, siebenmal Bronze und nur Platz 11 im Medaillenspiegel – eine nationale Katastrophe. Dann ist Deutschland auch noch erstmals Spitzenreiter im ewigen Medaillenspiegel der Winterspiele. Mit nunmehr 129 Goldenen überholten die Deutschen Russland, das - einschließlich der Erfolge der Sowjetunion - bisher 124 Olympiasiege feierte.
Als Folge über diese erschreckend schwache Bilanz hat ein sehr enttäuschter Ministerpräsident Wladimir Putin eine scharfe Analyse angekündigt sowie Konsequenzen angedroht.
„Natürlich haben wir Großes erwartet von unserer Mannschaft", sagte Putin am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax bei der Eröffnung eines Judo-Zentrums in der sibirischen Stadt Tjumen. Die „Fehler und Misserfolge" der russischen Sportler müssten untersucht werden. Russland liegt im Medaillenspiegel weit abgeschlagen hinter den Top-Nationen. Dieses Olympia-Debakel sorgt auch bereits für Debatten in Russland um mögliche Rücktritte von Sportfunktionären. Immer lauter werden in der Duma die Forderungen nach Ablösung von Sportminister Witali Mutko.
"Wir müssen die Situation ändern und die Bedingungen für unseren Auftritt bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 schaffen", sagte Putin weiter. Der russische Schwarzmeer-Kurort ist in vier Jahren der nächste Austragungsort der Winterspiele. "Es gibt keinen Grund, die Schultern hängen zu lassen, sich Asche aufs Haupt zu streuen oder sich zu geißeln", erklärte Putin. Russland habe „hervorragende Sportler" und dürfe nicht diejenigen vergessen, die in Vancouver erfolgreich gewesen seien, sagte Putin, der selbst Judoka ist.
Die Volksseele kocht in Russland
Dabei hatte Wladimir Putin bei der Verabschiedung der Sportler in Moskau angesichts der Zeitverschiebung noch gescherzt: "Bei einer Goldmedaille können Sie mich ruhig nachts wecken." Putin musste nur dreimal aufstehen: Für die Biathlon-Staffel der Frauen, Biathlet Jewgeni Ustjugow und Überraschungs-Olympiasieger Nikita Krijukow im Skilanglauf-Sprint.
Tatsache ist, der russische Wintersport hingt vier Jahre vor den Heimspielen in Sotschi hilflos hinterher. Die einstige Wintersportmacht wird im olympischen Medaillenspiegel von Vancouver durchgereicht und aus der Heimat mit ätzender Kritik überschüttet, die manchmal schon ein bisschen unter die Gürtellinie ging. Tiefpunkt: Die 3:7-Klatsche der Sbornaja im Eishockey-Prestigeduell mit Gastgeber Kanada.
Das Echo aus Russland dürfte Stimmung und Motivation im russischen Olympia-Team auch nicht gerade noch gehoben haben. "In anderen Ländern bemüht man sich, Sportler nach Niederlagen wieder aufzubauen. In Russland ist es so: Gewinnen wir, sind alle unsere Freunde. Verlieren wir, will man auf dem Roten Platz gleich die Guillotine aufstellen", beklagte Eishockey-Nationaltrainer Wjateschlaw Bykow.
Staatspräsident Dmitri Medwedew sagte seinen Besuch in Vancouver ab
Auch Staatspräsident Dmitri Medwedew ist riesig enttäuscht über diese schlechte Bilanz. Kurzfristig hat der Präsident aus Verärgerung über die schwachen Leistungen eine seit langem für Freitag geplante Begegnung mit den Athleten in Vancouver abgesagt. Er reiste auch nicht wie vorgesehen zur Schlussfeier am Sonntag.
IOC-Präsident Jacques Rogge macht sich offenbar auch Sorgen, denn in vier Jahren wird Sotschi bei den XXII. Olympischen Winterspielen zum Nabel der Sportwelt. "Ich habe schon Gespräche mit der sportlichen und politischen Führung Russlands geführt und darauf hingewiesen, dass die Heimmannschaft in Sotschi so stark wie möglich sein sollte", sagte der Belgier am Donnerstag in Vancouver. "Man sollte die Russen nicht unterschätzen, sie kennen sich aus im Sport. Russland ist eine der Supermächte im Sport, vielleicht nicht heute, aber sie haben noch vier Jahre Zeit."
Probleme in Sotschi sollen auch noch gemeistert werden
Während Politiker grandiose Pläne für Sotschi 2014 entwerfen, haben viele Einwohner andere Sorgen. Noch immer ist das Schicksal vieler Menschen offen, deren Häuser dem Olympiapark weichen müssen. Obwohl in der Imeretinskaja-Bucht derzeit eine schmucke Siedlung für die Vertriebenen entsteht, bleibt das Misstrauen in die aus Erfahrung korrupten russischen Behörden groß. Einige Einwohner haben deshalb bereits eine Klage am Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg eingereicht.
Bis 2014 wird Russland dieses aber auch schon hinbekommen, egal wie viele Menschen noch umgesiedelt werden müssen, egal, in welche Höhen die Immobilienpreise schießen und egal wie stark die Baumaßnahmen in das einzigartige Ökosystem der Region um Sotschi eingreifen. IOC-Mitglied Jean-Claude Killy, in den Sechzigern der weltbeste Skifahrer, schwärmt: "Der russische Diamant funkelt mit jedem Tag stärker." [ Harald Gleißner
/ russland.RU ]